Sonjas Istanbul-Tagebuch
Istanbul

Rundgang auf Istanbuls Erstem Hügel: Topkapı, Hagia Sophia und Zisterne

Ein strukturierter Tag auf Istanbuls Erstem Hügel: Vom weitläufigen Topkapı-Palast über die Emporen der Hagia Sophia bis zur kühlen Basilika-Zisterne und einem Ausklang an den alten Mauern.

Von Sonja6 Min. Lesezeit
Marble terrace and decorative arches of the Baghdad Pavilion at Topkapı Palace
Foto: Sonja

Wenn ich in Frankfurt an meinen Manuskripten sitze, streiche ich meist so lange Überflüssiges heraus, bis die eigentliche Erzählung klar hervortritt. Mit genau dieser Haltung näherte ich mich diesmal der historischen Halbinsel von Istanbul. In Sultanahmet ballt sich die kaiserliche Geschichte der Stadt so dicht wie nirgendwo sonst. Bei früheren Besuchen hatte ich mitunter den Fehler gemacht, ohne klaren Plan von einem Platz zum nächsten zu eilen, was mich schon am Nachmittag völlig erschöpft zurückließ. Für diese Reise wählte ich eine ganz bewusste Reihenfolge über Istanbuls Ersten Hügel: ein ungestörter Vormittag im Topkapı-Palast, der Aufstieg auf die oberen Galerien der Hagia Sophia am frühen Nachmittag, der Abstieg in die kühlen Tiefen der Basilika-Zisterne und schließlich ein ruhiger Ausklang beim Abendessen direkt an den alten Palastmauern.

Die Wege zwischen diesen Stationen sind denkbar kurz – man läuft jeweils kaum fünf Minuten –, doch verlangt jeder dieser Orte nach einer eigenen inneren Ruhe. Indem ich den gesamten Tag diesem kompakten Umkreis widmete, fand ich genau den Raum, jedes Bauwerk ohne ständigen Blick auf die Uhr auf mich wirken zu lassen.

Ein ruhiger Vormittag im Topkapı-Palast

Meinen Morgen begann ich mit dem Weg vorbei am Brunnen von Ahmed III. und trat durch das Kaiserliche Tor in den ersten Schlosshof des Topkapı-Palasts. Da das Areal weitläufig ist und vier getrennte Höfe sowie verschiedene Museumstrakte umfasst, hatte ich mir dafür einen vollen halben Tag reserviert. Durch das Tor der Begrüßung gelangte ich in den zweiten Innenhof, wo hohe Zypressen den Weg zwischen den Arkaden der Palastküchen auf der einen und dem kaiserlichen Ratssaal auf der anderen Seite einrahmen.

Ich entschied mich ganz gezielt dafür, sofort die Harem-Gemächer anzusteuern, bevor ich die anderen Pavillons besichtigte. Der Harem bildet einen eigenständigen Wohnkomplex im Herzen des Palastes, und es war ein eindrückliches Erlebnis, diesen verschachtelten Korridoren in beinahe vollkommener Stille nachzuspüren. Ich durchquerte gekachelte Vorräume, passierte den Hof der Sultansmutter und verweilte in privaten Gemächern, die mit İznik-Fliesen aus dem 16. Jahrhundert in leuchtendem Kobaltblau, Salbeigrün und Korallenrot ausgekleidet sind. Das geometrische Holzwerk der Fensternischen und die zurückhaltenden Kuppeln darüber bildeten einen intimen Gegenpol zur monumentalen Architektur der offiziellen Staatsräume.

Tiled chamber inside the imperial Harem at Topkapı Palace with decorative Iznik ceramic walls
Foto: Sonja

Zurück im zweiten Innenhof widmete ich mich dem kaiserlichen Ratssaal mit seinen vergoldeten Gittern und dem darüber aufragenden Turm der Gerechtigkeit, bevor ich die riesigen Palastküchen betrat. Dort ist eine beachtliche Sammlung chinesischen und europäischen Porzellans untergebracht, flankiert von gewaltigen Kupferkesseln, mit denen einst Tausende Menschen versorgt wurden. Im dritten Innenhof verweilte ich im Uhrenmuseum, um die über Jahrhunderte entstandenen europäischen und osmanischen Zeitmesser zu studieren, ehe ich durch das Tor der Glückseligkeit in Richtung Schatzkammer weiterging.

Gegen Ende des Vormittags erreichte ich schließlich den vierten Innenhof. Hier geht der Palast in Gartenanlagen und Pavillons über. Ich spazierte am Beschneidungszimmer und am Bagdad-Kiosk vorbei und trat hinaus auf die Marmorterrasse, wo eine leichte Brise wehte. Von den Zinnen aus blickte ich direkt auf jenen Punkt, an dem das Goldene Horn in den Bosporus übergeht, und beobachtete die Passagierfähren, die ihre weißen Linien über das tiefe Blau der Meerenge zogen.

View of the Bosphorus strait from the fourth courtyard terrace of Topkapı Palace
Foto: Sonja
Tickets und ÖffnungszeitenTopkapı-Palast

Auf den Emporen der Hagia Sophia

Um die Mittagszeit verließ ich den Palast durch die Haupttore und lief zweihundert Meter südwärts in Richtung Hagia Sophia. Die byzantinische Kathedrale aus dem sechsten Jahrhundert, später kaiserliche Hauptmoschee der Osmanen und heute wieder ein aktives Gotteshaus, prägt den Sultanahmet-Platz mit ihren verwitterten Ziegelstrebebögen und den umgebenden Minaretten. Da ich meine Kleidung bereits am Morgen passend gewählt hatte – Schultern und Knie bedeckt –, legte ich mir lediglich noch einen leichten Leinenschal über die Haare, bevor ich mich zum Besuchereingang begab.

Besucher erkunden die Hagia Sophia über die oberen Galerien, zu denen eine ansteigende Steinrampe im Inneren des Mauerwerks hinaufführt. Der Moment, als ich den Marmorboden der Galerie betrat, war überwältigend. Aus dieser Perspektive schwebte ich beinahe direkt unter dem Bogen der Hauptkuppel, blickte hinab in das weite, offene Mittelschiff und befand mich fast auf Augenhöhe mit den monumentalen osmanischen Kalligrafie-Medaillons, die die Namen von Allah, dem Propheten und den Kalifen tragen.

Upper gallery arcade inside Hagia Sophia overlooking the nave
Foto: Sonja

In der Südgalerie hielt ich mich fast eine volle Stunde auf, gebannt von den erhaltenen byzantinischen Mosaiken. Ich stand lange vor dem Deësis-Mosaik und betrachtete die feinen Schattierungen im Antlitz Christi, flankiert von Maria und Johannes dem Täufer. Aus nächster Nähe lassen die winzigen Steinchen und Blattgold-Tesserae eine meisterhafte Beherrschung von Licht und Mimik erkennen, die vom Boden aus verborgen bleibt. Entlang der Marmorbrüstungen fiel mein Blick auch immer wieder auf die abgewetzten Steinplatten unter meinen Füßen, die von zahllosen Schritten geformt und von leisen historischen Spuren gezeichnet sind, bevor ich über die Rampe wieder ins Freie trat.

Detail of the historic Byzantine Deesis mosaic in the upper gallery of Hagia Sophia
Foto: Sonja
Tickets und ÖffnungszeitenHagia Sophia

Kühle Stille in der Basilika-Zisterne

Direkt auf der anderen Seite der Straßenbahnschienen, gegenüber der Hagia Sophia, liegt der ebenerdige Eingang zur Basilika-Zisterne. Nach der grellen Sonne und den weiten Marmorflächen der beiden ersten Bauwerke fühlte sich der Abstieg über die Stufen in diesen Wasserspeicher aus dem sechsten Jahrhundert wie der Eintritt in eine andere Welt an. Die Luft empfing mich kühl und spürbar feucht, erfüllt vom sanften, regelmäßigen Tropfen des Wassers von den Ziegelgewölben.

Erhöhte Holzstege leiteten mich durch den Wald aus 336 Marmorsäulen, die über dem seichten Wasser dezent angestrahlt wurden. Ich passierte Kapitelle verschiedenster antiker Ordnungen – wiederverwendete Architekturfragmente aus dem gesamten Byzantinischen Reich – und hielt an der Weinsäule an, deren Oberfläche mit tränenden Augen verziert und vom Grundwasser beständig feucht ist.

Carved stone head of Medusa placed upside down as a column base
Foto: Sonja

In der nordwestlichen Ecke folgte ich dem Steg zu den beiden Medusenhäuptern, die als Säulenbasen dienen. Eines dieser riesigen, gemeißelten Gesichter völlig auf den Kopf gestellt unter tonnenschweren Quadern liegen zu sehen, gehört zu den eindrucksvollsten Details in ganz Istanbul. Dieser Spaziergang im Halbdunkel war für mich der perfekte Übergang: vierzig ruhige, atmosphärische Minuten, die mir nach der geschichtlichen Dichte des Vormittags neue Frische schenkten.

Tickets und ÖffnungszeitenBasilika-Zisterne

Ausklang in der Soğuk-Çeşme-Straße

Als ich wieder in das spätnachmittägliche Licht heraustrat, ging ich an der Außenmauer des Topkapı-Palasts entlang hinunter in die Soğuk-Çeşme-Straße – eine malerische, kopfsteingepflasterte Gasse, gesäumt von restaurierten osmanischen Holzhäusern. In diesem stillen Straßenabschnitt liegt das Chimney Bistro, das ich mir vorab für das Abendessen notiert hatte.

Interior brick bar counter and seating at Chimney Bistro in Sultanahmet
Foto: Sonja

Im Inneren geht die Bar mit offenliegendem Ziegelmauerwerk in einen lichten Gastraum über, über dem sich ein offenes Dach wölbt. Nachdem ich kilometerweit über historische Pflastersteine gelaufen war, tat es unglaublich gut, mich in eine gemütliche Ecke zu setzen. Ich hatte mir vorab deren Chimney Combo reserviert, was die Bestellung denkbar unkompliziert machte. Meine Wahl fiel auf eine frisch gebackene Rindfleisch-Pide und ein Glas türkischen Rotwein, der angenehm herb und ausgewogen schmeckte. Unter dem offenen Dach zu sitzen, während gleich hinter dem Fenster das mächtige Mauerwerk des Palastes aufragte, war die ideale Kulisse, um die Erlebnisse dieses Tages nachklingen zu lassen.

Menü im Bistro buchenChimney Bistro, Sultanahmet

Was ich beim nächsten Mal wieder so machen würde

  • Einen vollen halben Tag für den Topkapı-Palast einplanen: Die Anlage ist kein einzelnes Gebäude, sondern eine kleine Stadt für sich. Gleich am Morgen hier zu starten, gab mir die nötige Ausdauer, um sowohl den Harem als auch die Pavillons im Garten ohne Eile zu erkunden.
  • Die Zisterne als nachmittägliche Atempause nutzen: Der Gang durch die kühlen, gedämpften Gewölbe direkt nach der Hagia Sophia bot eine willkommene körperliche Erholung vor dem Abendessen.
  • Die Monumente des Ersten Hügels logisch verbinden: Da Topkapı, Hagia Sophia, die Zisterne und das Chimney Bistro jeweils nur Gehminuten voneinander entfernt liegen, konnte ich den Tag ganz der Geschichte widmen, statt Zeit in Verkehrsmitteln zu verlieren.